Leben mit AD(H)S

Let’s Talk about – ADHS und Sex

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Über Sex spricht man nicht – so immer noch die weitverbreitete Meinung. Dabei kann man zu diesem Thema so viele spannende Gespräche führen. Über ADHS und Sex, zum Beispiel. Ja, unser “treuer Begleiter” wirkt sich nämlich auch auf unser Sexualleben aus. Sowohl positiv als auch negativ. Wusstest du nicht? Ich ehrlich gesagt bis vor kurzem auch nicht. Im Nachhinein betrachtet, wird mir dadurch aber so einiges klar. 

Sexualität mit ADHS - Lust oder Frust?

ADHS kann Beziehungen gleich mehrfach herausfordern, denn es betrifft sowohl die ADHS-Betroffenen selbst als auch deren Partner*innen. Und zwar eben nicht nur im regulären Alltag und dem gemeinsamen Umgang, sondern auch in der Sexualität. Doch auch da kann es unter Umständen zu Beziehungsproblemen führen, die letzten Endes sogar das Aus bedeuten können. Aber der Reihe nach. Schauen wir uns erst einmal an, wie genau sich ADHS auf die Sexualität auswirkt. 

Betroffene mit ADHS können auch hierbei Extreme entwickeln, zwischen denen sie auch phasenweise pendeln können. Das fällt dann in den Bereich der sexuellen Dysfunktion. Prinzipiell kann es zu einem “Zu viel” (zu viel Antrieb, zu viel Wunsch nach Abwechslung und Nervenkitzel, etc.) und einem “Zu wenig” kommen. Letzteres braucht man nicht erklären, oder? Und wie alles in der medizinischen und psychologischen Welt haben auch dieses “Zu viel” und “Zu wenig” in diesem Zusammenhang einen eigenen Namen. 

Mann und Frau unter der Dusche - Sexualität und ADHS

Hypersexualität - Ich brauch MEHR

Hypersexualität heißt, dass unser sexueller Antrieb erheblich höher ist als “normal”. Wir brauchen MEHR. Mehr Sex, mehr Abwechslung, mehr Nervenkitzel. Während manche jetzt vielleicht die Augenbrauen hochziehen und denken: “Geil! Klingt doch gar nicht so schlecht!” – ja ja, Moment! So unproblematisch ist das nämlich gar nicht. Denn dieses “MEHR wollen” bringt nämlich ein paar Risiken mit sich. 

  • mehrere und/oder wechselnde Sexualpartner (Promiskuität) – Wenn dein Gegenpart in der Beziehung nicht genauso tickt, kann das schon ziemlich kritisch werden.
    • Zumal ja hier auch der Fakt der sexuell übertragbaren Krankheiten nicht außer Acht gelassen werden darf.
    • Ebenso die Schwangerschaftsverhütung. Die kann nämlich im Eifer des Gefechts schon mal komplett untergehen (Ne, “aus den Augen, aus dem Sinn”, liebe Mit-ADHS-ler?)
  • Porno-Konsum sehe ich persönlich hier prinzipiell unkritisch, wenn die Darsteller erwachsen und freiwillig gefilmt sind. Aber auch hier gilt wieder: Wenn der Partner oder die Partnerin nicht auch so tickt, das nicht gut findet oder davon nichts weiß, kann das wiederum zu Beziehungskrisen führen. 
  • Auch im Bereich der Sexualpraktiken wird dann gerne herumexperimentiert. An und für sich absolut nix Schlimmes – wir alle experimentieren ja ein wenig herum. Aber gemixt mit der ungefilterten und ungesteuerten Impulsivität kann das schon mal auch hier wieder ins Extreme gehen. Wichtig ist halt nur, dass man sich der Risiken bewusst ist und das etwas im Auge hat. 

Und warum kann ADHS Hypersexualität hervorrufen? 

Weil die sexuelle Stimulation Endorphine freisetzt und unsere Neurotransmitter im Gehirn mobilisiert. Das vermittelt uns ein Gefühl von Ruhe, die wir im Alltag so häufig vermissen. Die sexuelle Stimulation und unser vermehrter Sexualtrieb reduzieren also dann die durch die ADHS-verursachte Unruhe. 

Sex und ADHS - Keine Lust auf nix

Hyposexualität bei ADHS: Keine Lust auf nix

Das Ganze gibt’s natürlich auch im anderen Extrem: Die Hyposexualität bezieht sich darauf, dass man unnormal wenig bis gar keine Lust auf alles hat, was Sex auch nur im Entferntesten betreffen könnte. Null. Nada. Also, wirklich gar nicht. 

Das kann an der ADHS selbst liegen, an eventuellen Medikamenten (gerade, wenn man mit einer begleitenden Depression auch Antidepressiva nimmt) oder auch an möglichen Begleiterkrankungen selbst. Angststörungen und Depressionen haben nämlich leider auch negative Auswirkungen auf unser Sexualleben. Und da wir mit ADHS ein deutlich höheres Risiko haben, an den beiden – und einigen anderen Störungen – zu erkranken, können diese eben auch ein Faktor sein, der uns die Lust auf Sex nimmt. 

Zugleich schalten beim Sex ja unsere alltäglichen ADHS-Symptome nicht unbedingt in den Pausen-Modus. Da kann es schon mal passieren, dass die Konzentration während der “heißen Phase” völlig unverwandt zum Einkaufszettel für den Wocheneinkauf zieht. Oder zum Hausputz. Was nicht unbedingt für Freudensprünge beim jeweiligen Partner oder bei der Partnerin sorgt. Also, wenn euer Gegenpart unter euch plötzlich mal unverwandt zur Decke starrt und mitten beim Sex plötzlich sagt “Die Decke könnten wir auch mal wieder streichen” – das heißt nicht, dass ihr schlecht im Bett seid!! Sondern einfach, dass die ADHS mit ihrer Unkonzentriertheit sich einfach mal wieder frech in den Vordergrund gedrängelt hat. 

Entweder, oder: Bewirkt ADHS nur eine der beiden Dysfunktionen?

Nein. Das kann sich tatsächlich abwechseln, da auch die Auslöser und Begleiterscheinungen variieren können. Setzt du beispielsweise deine Medikamente ab, kann aus der Hypo- durchaus eine Hypersexualität werden. Ebenso, wenn deine Deperession oder Angststörung behandelt und abgeschwächt wird, du dich weniger erschöpft fühlst. 

 

Ebenso kann es bei Singles sein, wenn sie sich im Hyperfokus mit ganz anderen Dingen beschäftigen in ihrem Leben, dass sie über eben diese Zeit nicht einen einzigen Gedanken an Sex verschwenden. Und dann plötzlich gibt es Phasen, in denen sie nur an einer Person vorbeilaufen brauchen, die sie attraktiv finden und schon laufen Hirn und Kopfkino auf Hochtouren! Das ist mir nicht nur einmal passiert. 

 

Es ist also durchaus möglich, dass wir phasenweise mal die eine und mal die andere Dysfunktion erleben. 

Ehrlichkeit und Offenheit sind wichtig

Wie bereits zu Beginn geschrieben, gehen nicht wenige Beziehungen an diesem Aspekt der ADHS in die Brüche. Manchmal ist den Betroffenen überhaupt nicht bekannt, dass sie eine ADHS haben. Unabhängig davon sind Ehrlichkeit und Offenheit immer das Wichtigste in einer Beziehung. Da erzähle ich euch nichts Neues.  Wie soll euer Gegenpart verstehen, was in euch vorgeht oder wie ihr tickt, wenn ihr nicht sprecht? Eben. 

Sollte die ADHS bekannt sein, kommen natürlich noch andere Aspekte hinzu, die unbedingt angesprochen werden sollten. Wenn ihr neue Dinge ausprobieren wollt, sprecht mit eurem Gegenpart darüber. Vielleicht herrscht hier ja auch Neugier und ihr könnt den Nervenkitzel zusammen etwas steigern. 

Sollten die Interessen arg weit auseinander gehen, könnte auch eine offene Beziehung eine Option sein, in der beide Parteien ihre Bedürfnisse mit anderen Partnern erfüllen. Dann sind Offenheit und Ehrlichkeit umso wichtiger, denn dann solltet ihr offen über eure Vorstellungen sprechen und wie ihr diese Beziehung strukturieren möchtet. Wenn ihr eure Grenzen und Regeln klar abgesteckt habe und für beide annehmbar und akzeptabel gestaltet, kann eine offene Beziehung euch als Paar nicht nur viele Freiheiten bringen, sondern euch auch einander auf eine ganz neue Weise näher bringen. Aber wie gesagt: Vertrauen, Ehrlichkeit und Offenheit sind hier die absolut wichtigen Schlüsselfaktoren. 

Du hast Wunschthemen?

Du hast spezielle Themen oder Fragen rund um ADHS, über die wir hier sprechen sollen? Dann schreib sie mir gerne in die Kommentare und ich schau, ob ich daraus einen Artikel machen kann. 

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1982er Baujahr, Introvertierter Dickkopf mit Leidenschaft zum Schreiben und ADHS. Mit dem Kopf durch die Wand ist auch ein Weg! Texterin in einer Agentur für Kommunikation und Design. ++ Leise kann auch laut sein! >>> blogs: myhappychaos.de und wortundherz.de

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