Burnout-Verdacht? Das sind deine ersten Schritte

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Burnout-Verdacht? Das sind deine ersten Schritte

Du hast den Verdacht, dass du auf ein Burnout zusteuerst? Du wirst dich wahrscheinlich eine ganze Weile beobachtet und auf verschiedene Symptome geachtet haben. Kannst du dich noch daran erinnern, wann du das letzte Mal erholsam geschlafen hast? Ich meine, so richtig erholsam? Vermutlich nicht, hm? Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich war auch da.

Wenn du selbst bereits den Verdacht hast, dass du auf dem besten Weg in ein Burnout bist oder vielleicht sogar schon drin steckst, dann ist das Wichtigste jetzt, dass du jemanden ins Vertrauen ziehst. Das kann einer von deinen Freund:innen sein, deine Eltern, vielleicht auch Kollegen. Wichtig ist, dass du dir jetzt Hilfe an die Seite holst. Denn ein Burnout zu bekämpfen ist keine leichte und auch keine kurzfristige Sache.

Hol dir ärztlichen Rat

Als allererstes sollte dein Weg dich zu deinem Hausarzt führen. Aus mehreren Gründen. Hausärzte schreiben dich zuerst einmal arbeitsunfähig und verschaffen dir so etwas Luft. Im nächsten Schritt nehmen sie einen Rundum-Check vor, um abzuklären, ob deine Symptome wirklich psychosomatisch sind oder vielleicht von irgendwelchen organischen Erkrankungen herrühren. Eine Erkrankung der Schilddrüse beispielsweise zeigt manchmal ähnliche Symptome und lässt sich mit den richtigen Medikamenten relativ leicht beheben.

Sind organische Erkrankungen ausgeschlossen, geben Hausärzte dir eine Überweisung zu einem Facharzt. Das ist der Startschuss für den nervenaufreibenden Teil. Das will ich auch gar nicht schönreden. Aber wenn du das geschafft hast, dann geht es bergauf für dich.

Lass dich nicht entmutigen!

Die Suche nach einem Facharzt – in den meisten Fällen ein Psychotherapeut – ist nicht einfach. Gefühlt gibt es an jeder Ecke mindestens eine Psychotherapie-Praxis. Wenn du allerdings versuchst, irgendwo einen Termin zu bekommen, kommst du dir vor wie im Baumarkt am Informationsschalter. Psychische Erkrankungen sind in der Tat mittlerweile so weit verbreitet, dass die Terminkalender der meisten Psychotherapeuten voller sind als die von Barack Obama.

Du wirst sehr oft hören, dass zwar für ein Gespräch Zeit wäre, allerdings die Therapieplätze für die nächsten sechs Monate bereits restlos ausgebucht sind. Das klingt frustrierend, ich weiß. Ich habe mich damals davon ins Bockshorn jagen lassen, mittlerweile habe ich von Bekannten erfahren, dass es sich durchaus lohnt, sich auf die Warteliste setzen zu lassen, da immer mal wieder Plätze frei werden und du in der Regel gar nicht die vollen sechs Monate warten musst.

Also nimm ruhig den Gesprächstermin an und lass dich auf die Warteliste setzen. Häufig haben die Therapeuten schon erste Tipps, wie du die Wartezeit nutzen kannst. Sollte dein Burnout bereits weiter fortgeschritten sein, kann es auch sein, dass sie dir in der Zwischenzeit Beruhigungsmittel verschreiben, um deine Nerven zu beruhigen, damit du wieder klare Gedanken fassen kannst und Energie tanken für den Weg, der noch vor dir liegt.

Nicht jeder Therapeut ist der richtige für dich

Du wirst mit deinem Psychotherapeuten wahrscheinlich über viele vertrauliche Dinge sprechen. Darum solltest du wirklich ehrlich zu dir sein, ob du deinem gewählten Therapeuten vertrauen kannst.

Normalerweise kannst du bis zu vier Sitzungen in Anspruch nehmen, während derer du dich entscheiden kannst, ob du mit diesem Psychotherapeuten weiter zusammenarbeiten magst oder nicht. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Arzt. Wenn das Vertrauensverhältnis zwischen euch nicht stimmt, wird eine Zusammenarbeit schwierig und hilft dir nicht so effektiv, wie sie es sollte.

Trau dich also ruhig, den Therapeuten zu wechseln, wenn du dir nicht sicher bist oder du merkst, dass es irgendwie nicht wirklich passt. Nimm dir lieber die Zeit, den richtigen Therapeuten für dich zu finden. Umso schnellere und größere Fortschritte machst du auf deinem Weg aus dem Burnout.

Lass dir Zeit!

Egal, wie weit es aktuell fortgeschritten ist: Wenn du wirklich bereits in ein Burnout steckst, dann ist das Wichtigste, dass du das erst einmal akzeptierst. Es verschwindet nicht, wenn wir es leugnen. Die Taktik, die wir als kleine Kinder beim Versteckspiel angewandt haben (“Ich seh dich nicht, du siehst mich nicht”), funktioniert hier leider nicht.

Die meisten Burnout-Erkrankungen werden dann entdeckt, wenn die Erschöpfung bereits weit fortgeschritten ist. Das heißt, dein Körper muss erst einmal zur Ruhe kommen, bevor du ihn wieder auf den Gipfel schicken kannst. Das ist nervig und frustrierend, ich weiß das. Wenn unser logischer Menschenverstand sagt: “Ich habe keine Zeit, hier tage- oder sogar wochenlang herumzuliegen. Ich hab ‘nen Arsch voll Arbeit, also krieg denselbigen mal langsam wieder hoch!”  Dein Körper hingegen sagt: “…”  Nun, der sagt gar nichts. Der liegt nämlich in der Ecke wie einer, der versucht hat, einen Marathon in zwei Stunden zu laufen. Mit der Kondition eines mittelalten Couchpotatoes. Da geht erstmal nichts mehr.

Die erste Zeit geht nichts

Meine Erfahrung ist, dass es ungefähr eineinhalb bis zwei Wochen dauert, bis dein Körper wieder klarkommt und du wieder einen klaren Kopf hast. Bei mir war es damals am Ausgangspunkt so, als hätte ich eine Datenautobahn im Kopf. Voll wie nix, aber du kriegst keinen Gedanken zu fassen! Es hat zwei Wochen gedauert, in denen ich praktisch nur auf der Couch gelegen habe, wenn ich nicht gerade meine Tochter zur Schule gebracht oder von dort abgeholt habe.

Diese Erkenntnis, das Eingestehen, dass gerade nun einmal nichts geht, war für mich das Schwerste von allem. Dieses “etwas tun wollen, aber nicht können”. Aber es war nötig. Um nach den zwei Wochen langsam wieder starten zu können. Also lass dir Zeit, damit dein Körper und deine Energie sich wieder regenerieren kann. Und dann starte langsam. Von 0 auf 100 ist mich einem Burnout nicht möglich. Dann würgst du den Motor direkt wieder ab. 

So geht es weiter

In den folgenden Artikeln zum Thema Burnout werde ich dir zeigen, wie du die Zeit bis zur Therapie nutzen kannst und wie du selbst daran arbeiten kannst, schnell wieder auf die Beine zu kommen. Wir schauen uns gemeinsam an, wie eine Therapie gegen dein Burnout aussehen kann und wie du einen Rückfall vermeidest. Also bleib dabei – ich freu mich auf dich!

Über die Autorin

Carina

38, Introvertierter Dickkopf mit Leidenschaft zum Schreiben und Texten. Mit dem Kopf durch die Wand ist auch ein Weg! Texterin in einer Agentur für Kommunikation und Design. ++ Leise kann auch laut sein! >>> blogs: myhappychaos.de und wortundherz.de
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