Darum kommen deine Texte bei deinen Leser:innen nicht an

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Darum kommen deine Texte bei deinen Leser:innen nicht an

Zuerst interne Ressourcen nutzen, bevor man externe einbezieht. Nicht die schlechteste Idee. Wenn du Leute hast, die es können. Sonst fragst du dich später, warum die Leute eure Texte nicht lesen und folglich auch nicht zu Kund:innen werden. Ganz einfach: Sie kommen nicht bei ihnen an. Sie gehen ihnen am Allerwertesten vorbei! Weil “Tanja vom Empfang” ein paar fiese Fehler gemacht hat. Welche, das schauen wir uns heute genauer an.

Fehler 1: Sie schreibt nicht für eure Kund:innen

Hä? Na klar! Für wen denn sonst? Hand aufs Herz: Wie oft beschreibt sie die Leistungen und Merkmale eurer Produkte? Und wie oft singt sie Loblieder auf die Erfolge eures Unternehmens? Versteh’ mich nicht falsch: Eure Errungenschaften dürfen ruhig erwähnt werden. Nur eben nicht im Fokus. Warum? Ganz einfach: Was haben eure Kund:innen davon? Von euren Erfolgen und von euren Auszeichnungen? Ach, ihr löst mit dem vorhandenen Wissen ihre Probleme? Na, dann schreibt das doch! Wie sollen sie das denn sonst wissen?
 
Die meisten Menschen fragen sich bei Unternehmen und Produkten vordergründig eins: “Was habe ICH davon?” Was bringt es ihnen? Löst es ihre Probleme? Schön, dass das Unternehmen 127 Mitarbeiter:innen und 75 Auszeichnungen hat, aber ist es der richtige Anlaufpunkt, um MEIN Problem zu lösen?
 
Darum ist es wichtig, dass du bereits in deinen Texten den Nutzen für deine Leserschaft hervorhebst. Denn die meisten von ihnen werden dich nicht anrufen oder anschreiben, um danach zu fragen.

Fehler 2: Deinem Publikum fallen beim Lesen die Augen zu

So eine Frechheit! Aber leider wahr. Wenn wir es knallhart ausdrücken wollen, langweilen Tanjas Texte euer Publikum zu Tode. Ganz ehrlich, es sind nun mal keine Grußkarten. Eure Texte sollen Inhalt liefern. Mehrwert. Sie sollen spannend geschrieben sein, ehrlich geschrieben – sie sollen faszinieren!

Die Leute sollen am Ende hektisch den Bestellbutton suchen und dem Eingang der Bestellbestätigung genauso entgegenfiebern wie dem Sechser im Lotto. Im besten Fall. Langweilen deine Texte aber dein Publikum – weil sie nicht nur zu dir, sondern auch zum Bestattungsunternehmen Schuster passen könnten – dann sind sie schneller weg, als du “Herzlich willkommen” sagen kannst. 

Fehler 3: "Aber mein Deutschlehrer hat gesagt, dass..."

Kennst du auch noch aus dem früheren Deutschunterricht die Aussage: “Schreib nicht so umgangssprachlich, das macht man nicht”? Wobei – so viel “früher” ist das gar nicht, denn meine Tochter kam letztens mit derselben Aussage nach Hause. Schäumend vor Wut. 

Eine der wichtigsten Regeln beim Texten ist: Schreibe so, dass deine Leserschaft dich versteht. Deshalb definierst du ja die Zielgruppe, für die du schreibst. Wenn ich diesen Beitrag wie in einem medizinischen Fachmagazin geschrieben hätte, dann hätte keiner von uns mehr ein Wort verstanden. Mir eingeschlossen, wahrscheinlich. 

Um unsere Zielgruppe vernünftig ansprechen und abholen zu können, müssen wir manchmal umgangssprachlich schreiben. Und manchmal müssen wir dabei ebenso die eine oder andere Rechtschreibregel missachten, wenn wir einen Originalton wiedergeben wollen. Beispielsweise, wenn ich nur Leute aus dem Ruhrpott ansprechen wollte. Schließlich hammwa im Pott auch noch ‘ne eigene Sprachkultur, wa? Okay, ich denke, du weißt, was ich meine. 

Was wir übrigens nicht außer Acht lassen sollten, sind Punkt- und Kommaregeln. Das hat nix mit Sprachkultur zu tun, das tut einfach nur fies in den Augen weh und verursacht beim Publikum Kopfschmerzen. 

Fehler 4: Tanja hat keine Ahnung, was eure Kundschaft motiviert

“Passen diese Schuhe zu mir?” – “Steht mir dieses Outfit?” – “Soll ich mir den Wagen wirklich jetzt schon holen oder erst nächstes Jahr?” Hand aufs Herz, du kennst es selbst: Manchmal brauchen wir Menschen Motivation. Wir wollen überzeugt werden, dass das Produkt oder die Leistung perfekt zu uns passt. Aber bitte nicht mit dem Vorschlaghammer! Das bewirkt eher das Gegenteil. Bevor du also aggressiv alle Vorteile und technischen Details zu deinem Produkt auspackst, solltest du dir eins überlegen: Warum wollen Kund:innen etwas bei mir kaufen? 

Dazu müssen wir verstehen, was sie wollen. Was sie antreibt. Ihre Bedürfnisse kennen. Warum denkt Herr Mayer über ein neues Auto nach? Wieso will Lieschen Müller sich neu einkleiden? Und warum überlegt Familie Schäfer, sich eine Alarmanlage für ihr neues Haus anzuschaffen? Hinter all diesen Wünschen stecken Bedürfnisse. Das Bedürfnis nach Anerkennung, sich schön zu fühlen oder auch einfach, sich sicher zu fühlen. 

Wenn du die Bedürfnisse deiner Zielgruppe kennst, kannst du sie gezielt ansprechen. Wenn deine Produkte oder Leistungen ihre Bedürfnisse erfüllen, kannst du in ihnen regelrecht Gier entfachen. Eine von der Art, die entsteht, wenn wir nach einem harten Arbeitstag wissen, dass wir noch Schokoladenkuchen oder Eis im Kühlschrank haben.

Fehler 5: Du packst dein Publikum einfach nicht

Nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen: Du sollst deine Leser:innen jetzt nicht am Kragen packen und anbrüllen. Das bitte nicht. Du musst deine Leserschaft emotional packen. Was brauchst du dafür? Richtig. Emotionen. Nein, du sollst jetzt nicht überall Herzchen und Blümchen reinpacken. Das ist nicht nur kitschig, das schreckt auch ab. 

Schreib lieber lebendig – deine Leser:innen leben doch auch noch! Es macht tatsächlich einen Unterschied, ob du schreibst 

“Bist du bereit, deine Reise zu buchen?”

oder ob du schreibst

“Träumst du von weißen Stränden, Cocktails am Strand und unvergesslichen Momenten, von denen du später noch deinen Freunden erzählen kannst? Dann buche jetzt deine Traumreise. Vorfreude garantiert!”

Ja, es ist deutlich länger. Aber wenn du ehrlich bist: Welche Variante spricht dich mehr an? Bildhafte Sprache und entsprechende Wortwelten entfachen automatisch ein Feuerwerk an Bildern und Emotionen in den Köpfen deines Publikums. 

Fassen wir noch einmal zusammen

Okay, das sind ja doch schon ein paar ordentliche Fehler, die “Tanja vom Empfang” da so fabriziert. Damit euch das in Zukunft nicht mehr passiert, fassen wir die Fehler noch einmal kurz zusammen: 

  1. Ihr schreibt nicht für eure Kundschaft
  2. Eurem Publikum fallen beim Lesen die Augen zu
  3. Ihr klammert euch an alte Regeln aus der Schulzeit
  4. Ihr wisst nicht, was eure Kundschaft motiviert
  5. Ihr packt die Kund:innen nicht emotional

Und wie geht's jetzt richtig?

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Ich hoffe, ich konnte ein paar der gängigsten Fehler beim Texten aufgreifen. Alles verstanden? Konntest du heute etwas für dich mitnehmen? Dann lass mir doch einen Like oder sogar einen Kommentar da. Oder teil’ doch einfach den ganzen Beitrag. Da haben die anderen auch was davon 😉 

Ich freu mich schon, dich beim nächsten Mal auf My Happy Chaos wiederzusehen!

Über die Autorin

Carina

38, Introvertierter Dickkopf mit Leidenschaft zum Schreiben und Texten. Mit dem Kopf durch die Wand ist auch ein Weg! Texterin in einer Agentur für Kommunikation und Design. ++ Leise kann auch laut sein! >>> blogs: myhappychaos.de und wortundherz.de
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