Ja, ich mache Fehler! – Warum ich meiner Tochter beibrachte, dass Eltern auch nur Menschen sind.

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Ja, ich mache Fehler! – Warum ich meiner Tochter beibrachte, dass Eltern auch nur Menschen sind.

»Weil ich das so sage!« Klingt dir dieser Satz auch noch so in den Ohren nach, wie mir? Was habe ich diese fünf Worte damals gehasst, wenn ich es wagte, nach einem Grund zu fragen. Denn sie lieferten genau das nicht, dafür aber jede Menge Frustration. Ebenso wie das andere Pendant: »Wir sind die Eltern, also hast du zu tun, was wir sagen.« Doch was, wenn wir Eltern falsch liegen?

»Weil ich das so sage!« Klingt dir dieser Satz auch noch so in den Ohren nach, wie mir? Was habe ich diese fünf Worte damals gehasst, wenn ich es wagte, nach einem Grund zu fragen. Denn sie lieferten genau das nicht, dafür aber jede Menge Frustration. Ebenso wie das andere Pendant: »Wir sind die Eltern, also hast du zu tun, was wir sagen.« Doch was, wenn wir Eltern falsch liegen?

Eltern haben immer Recht – ach, echt??

Haben wir das? Denn wenn ich ehrlich zu mir selber bin, kann ich das nur auf eine Art beantworten: Mit »Nein!« Wenn ich mich zurückerinnere, dann erwartete mich immer ein riesiges Donnerwetter, wenn ich als Kind die Autorität meiner Eltern in Frage stellte. Ihr Wort war Gesetz. Basta! Das mag vielleicht so ein »Generations-Ding« sein, doch ich denke für die heutige Generation ist diese Erziehungsmethode absolut nicht mehr zeitgemäß. Außerdem: Wie soll ich meiner Tochter beibringen, dass man zu seinen Fehlern stehen und Verantwortung übernehmen soll, wenn ich es selbst nicht mache?

Ich habe meiner Tochter von Anfang an einen wichtigen Fakt beigebracht: Eltern sind auch nur Menschen. Und Menschen machen Fehler. An dieser Methode scheiden sich die Geister, wie ich gemerkt habe, denn oft habe ich für dieses Vorgehen Kopfschütteln geerntet und hämische Kommentare wie: »Deine Tochter wird dich doch nie ernst nehmen!« Oder »Die tanzt dir irgendwann auf der Nase herum!« Ich habe trotzdem an meiner Art und Weise festgehalten. Alles andere wäre mir unehrlich vorgekommen. Und ich kann von meiner Tochter keine Ehrlichkeit erwarten, wenn ich selbst nicht ehrlich zu ihr bin. Ihr seht, ich halte es nach dem Prinzip, dass ich meinem Kind vorleben muss, was ich von ihm erwarte.

Warum fällt es uns Eltern so schwer, Fehler zuzugeben?

Diese Frage habe ich mir schon seit Jahren gestellt. Sowohl bei meinen eigenen Eltern, als auch bei den Eltern meiner Freunde und Bekannten – und auch seitdem ich selber ein Kind habe.

Okay, niemand gibt gerne zu, dass er etwas falsch gemacht hat. Aber ich habe das leise Gefühl, dass Eltern es noch deutlich weniger gerne tun, als normale Menschen. Ist es wirklich die Angst, die Kinder könnten sie nicht mehr richtig ernst nehmen? Dass Eltern nicht mehr als perfekt und unfehlbar angesehen werden?

Dann habe ich unschöne Nachrichten: So haben wir als Kinder unsere Eltern schon nicht mehr gesehen!

Eltern müssen nicht perfekt sein!

Wir Eltern geben ungern unsere Macht aus den Händen und ich denke, der Gedanke, Fehler zuzugeben, versucht bei manchen die Angst, angreifbar zu werden. Aber sollten wir Eltern wirklich Macht über unsere Kinder haben? Oder sollten wir Ihnen eher Lehrer, Begleiter und Ratgeber sein? Ein Partner an ihrer Seite, der sie hält, ihnen Sicherheit und Ratschläge gibt, wenn sie mal wieder ins Trudeln geraten? Denn das werden sie. Mehr als einmal.

Möchten wir dann jemand sein, dessen Urteil gefürchtet wird? Oder lieber jemand, zu dem man gehen kann, um einen Rat zu bekommen und an dessen Schulter man sich ausheulen kann, weil die Welt gerade einmal wieder unendlich schlecht ist?

Ich habe in Bezug auf meine Tochter unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Denn auch, wenn wir uns prinzipiell in der Erziehung unserer Tochter einig sind, so haben mein Ex-Mann und ich doch unterschiedliche Herangehensweisen. Ich kann sehr gut Fehler zugeben, wenn bei Leonie und mir etwas falsch läuft. Er nicht so gut. Was vielleicht darin begründet liegt, dass er nicht als schlechter Papa dastehen will, wenn er sie mal bei sich hat? Keine Ahnung. Aber ich sehe die unterschiedlichen Reaktionen unserer Tochter. Während ich zu Hause in Diskussionen oder bei Fehlern meinerseits Sätze höre wie: »Ist doch nicht schlimm. Du bist doch auch nur ein Mensch. Ich liebe dich trotzdem!«, regt sie sich endlos darüber auf, wenn sie bei ihrem Papa offensichtliche Fehler entdeckt, er diese aber ignoriert oder – noch schlimmer – nicht zugibt und leugnet. Dagegen ist das altbekannte HB-Männchen eine Schmusekatze.

Mehr Gelassenheit auch im Umgang mit Fehlern – für beide Seiten!

Innehalten und Meditieren
Photo by JD Mason on Unsplash

Gelassener mit seinen eigenen Fehlern als Eltern umgehen zu können, schaden also überhaupt nichts an der Beziehung zu und dem Respekt von unseren Kindern – wenn man es konsequent durchzieht. Im Gegenteil, es bringt einen zusätzlichen Pluspunkt: Wir geben unseren Kindern die Gewissheit mit, dass die meisten Fehler gar nicht so schlimm sind, wie es uns im ersten Moment scheint. Wir sollten nur dazu stehen, Verantwortung übernehmen und aus ihnen lernen.

Wie oft höre ich aus dem Zimmer meiner Teenie-Tochter ein lautes Fluchen, weil sie irgendetwas falsch gemacht hat? Wie oft kam sie frustriert ins Wohnzimmer, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam und »heulte« sich bei mir aus, weil die Noten nicht so waren, wie sie es sich gewünscht hätte; sie etwas Neues versucht  und das nicht geklappt hatte. Oder sie sich mit Freunden gestritten hatte, weil sie falsch reagiert hatte.

Mein Ziel war es immer, ihr zu zeigen: Es ist kein Weltuntergang, Fehler zu machen. Und erst recht keiner, sie zuzugeben! Du hast eine Arbeit nicht gut geschrieben? Die nächste wird besser. Wir arbeiten gemeinsam dran. Du hast dich einem Freund gegenüber blöd verhalten? Gab’s einen Grund? Entschuldige dich und erkläre es. Er oder sie wird vielleicht noch etwas schmollen, aber der Streit wird schneller vergessen sein, als wenn man das Problem totschweigt und sich aus dem Weg geht.

Gleiches Recht für alle: Auch Kinder dürfen kritisieren!

Um Fehler zugeben zu können, muss man sich ihrer erst einmal bewusst sein. Das bringt uns zu einem anderen Schwachpunkt, den viele von uns Eltern haben: Kritikfähigkeit, wenn die Kritik von unseren Kindern kommt. Während es uns selbstverständlich erscheint, dass wir unsere Kinder alle naselang kritisieren und korrigieren – wir erziehen sie ja nur, das ist ja schließlich unser »Job« -, ist es für uns scheinbar jedes Mal ein No-Go, wenn unsere Kinder es wagen, uns zu kritisieren. Bei vielen hat sich da in den letzten 30 Jahren nichts geändert.

Wenn unsere Kinder uns kritisieren, zeigen sie uns unsere eigene Fehlbarkeit. Urteilen über uns. So zumindest scheinen es viele Eltern zu empfinden. Aber warum sehen wir es nicht einfach als Möglichkeit, ihnen weitere Lektionen ihres Lebens mit auf den Weg zu geben?

  • Die Fähigkeit, mit Kritik umzugehen und Nutzen daraus zu ziehen.
  • Die Fähigkeit, Kritik auszuteilen, ohne respektlos dabei zu werden.

Das sind wertvolle Fähigkeiten, die sie ihr ganzes Leben lang brauchen und die wir ihnen noch viele Male unter die Nase reiben werden. Warum also, gehen wir ihnen nicht mit gutem Beispiel voran? Wie sollen sie lernen, wie es richtig geht, wenn wir ihnen genau das Paradebeispiel dafür liefern, wie es nicht laufen sollte? Und da währen wir dann wieder beim Thema Ehrlichkeit, Authentizität und Respekt. Es ist ein Kreislauf. Und es liegt an uns, ob wir ihn zum Teufelskreis werden lassen. Zeigen wir ihnen, wie man mit Kritik umgeht. Wie man sie gibt und ebenso, wie man sie annimmt. Nämlich persönlich, ohne beleidigend zu werden. Objektiv, ohne zu pauschalisieren. Das wird nicht immer leicht und es wird Momente geben, da kratzt die Kritik unserer Kinder ordentlich an unserem Ego. Aber es wird sich lohnen. Und zwar für beide Seiten! Und für die Momente, in denen wir unser angekratztes Ego wieder aufpolieren müssen, gibt es Jazz, Kerzen und Wein!

Photo by Aliis Sinisalu on Unsplash

Verrate mir deine Erfahrungen!

Wie gehst du mit dem Thema um? Kannst du deine Fehler gut zugeben oder sagst du eher, als Eltern haben wir eine übergeordnete Stellung? Ich finde das ist ein spannendes Thema und ich würde mich freuen, eure Erfahrungen zu lesen.

Also schreibt mir eure Tipps, Erfahrungen und eure Meinung unten in die Kommentare!

About Post Author

Carina

Leidenschaftliche Texterin für Website-Texte. Single-Mom, kreativer Chaos-Mensch. Introvertierter Dickkopf. Schreiben ist mein Lebenselixier. Gleich neben der Musik, meinen Büchern und meiner Tochter.
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