Leben mit AD(H)S

Die Impulsivität der AD(H)S: Warum sie durchaus gefährlich sein kann

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Impulsivität bei AD(H)S-Betroffenen kann sich in vielen verschiedenen Facetten zeigen. Je nachdem, wie stark sie ausgeprägt ist und welche Richtungen sie einschlägt, kann sie uns den Alltag schon ziemlich durcheinanderwirbeln. Warum das nicht immer unbedingt lustig ist und sogar regelrecht gefährlich sein kann, darüber sprechen wir in diesem Beitrag.

Die vielen Gesichter der Impulsivität bei AD(H)S

Die vielen Gesichter der Impulsivität bei ADHS
Neben der Aufmerksamkeitsstörung und der Hyperaktivität zählt die Impulsivität zu den drei Grundsymptomen der AD(H)S. Während sie bei Kindern und Jugendlichen noch relativ ungefiltert durchbricht, haben Erwachsene mit AD(H)S bereits einiges an Erfahrung gesammelt. Sie haben gelernt, mit dieser Impulsivität umzugehen und sie zu einem bestimmten Teil im Zaum halten zu können, ebenso wie das teilweise überschäumende Temperament. Sie wissen, welche Folgen aus impulsivem Handeln heraus entstehen können.  

Trotzdem ist die Impulsivität bei AD(H)S weder im Kindesalter noch im Erwachsenenalter auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn sie greift in zentrale Themen unseres Lebens ein, wie das tägliche Leben, Schule und Beruf und auch das soziale Miteinander. Und das auf vielfältige Weise:

  • hohe Risikobereitschaft, die vermehrt zu Unfällen und Verletzungen führen kann
  • kurze, aber heftige Wutausbrüche
  • anderen Personen in Gesprächen ständig ins Wort fallen
  • spontanes bzw. impulsives Handeln, ohne über die Konsequenzen nachzudenken
  • selbst bei kleineren Provokationen rot sehen und an die Decke gehen
  • Probleme, geduldig in der Schlange zu warten, bis man an der Reihe ist
  • Sehr schnelles und häufiges Reden, ebenso wie häufiges Beenden der Sätze von anderen Personen
  • Überholen, Drängeln und Rasen im Straßenverkehr
  • Spontane, unüberlegte Einkäufe, die nicht selten auch über das eigene Budget hinausgehen
  • häufiger zu viel Alkohol trinken auf Feiern und am nächsten Morgen mit nem Kater aufwachen
  • mit vielen wechselnden Sexualpartnern schlafen, um mehr Abwechslung zu bekommen
  • zu viel ungesundes Essen zu sich nehmen, besonders Fast Food, weil das einfacher erhältlich ist
Das überbordende Temperament ist oft der Grund dafür, warum AD(H)S-Betroffene im Kindes- und Jugendalter häufig mit ihren Freunden und Schulkameraden aneinandergeraten. Ähnlich kann es bei Erwachsenen mit AD(H)S im Berufsleben laufen. Oft sind sie ungeduldig mit ihren Kollegen, lassen sich leicht provozieren. Das kann zu Reibereien führen, die den Arbeitsalltag durchaus belasten können.

Auch Beziehungen können unter der Impulsivität der AD(H)S leiden. Ständige Käufe, die das gemeinsame Budget belasten; Streitereien, die sich scheinbar um Belanglosigkeiten drehen in Kombination mit den Diskussionen, in denen die Partnerin oder der Partner nie wirklich aussprechen können. Das kann zu einer wahren Belastungsprobe für eine Beziehung werden und nicht wenige sind bereits daran zerbrochen.

Therapie bei AD(H)S hilft, die Impulsivität in den Griff zu bekommen

Um die Impulsivität effektiv in den Griff zu bekommen und besser steuern zu können, spielt eine AD(H)S-Therapie oft eine zentrale Rolle. Je nach Stärke und Ausprägung der Impulsivität können sowohl eine Psychotherapie als auch eine medikamentöse Therapie mit speziellen AD(H)S-Medikamenten infrage kommen. Häufig werden beide Optionen auch miteinander kombiniert, denn die Psychotherapie bietet viele wertvolle Strukturansätze und Hilfsmaßnahmen, um die Impulsivität

SOS-Hilfe bei AD(H)S-Impulsivität

Die beste Option, um die Impulsivität langfristig kontrollieren zu können, ist wie bereits erwähnt eine gezielte Therapie. Dennoch gibt es ein paar SOS-Tipps, die im Alltag gute Dienste leisten, wenn das Temperament wieder mit uns durchgehen will.

 

  • Sortiere Deine Gedanken: Überlege, was Du Deinem Gegenüber sagen möchtest. Egal, wie aufgebracht Du bist. Formuliere Deine Gedanken sachlich, was Dich stört. So vermeidest Du, Deinem Gegenüber ungewollt vor den Kopf zu stoßen und Diskussionen eskalieren zu lassen. Wenn Du merkst, dass Du gerade wirklich nicht sachlich darüber sprechen kannst, verlasse ruhig kurz den Raum oder die Szenerie und suche später das Gespräch, wenn sich Dein Gemüt wieder etwas beruhigt hat.

 

  • Wechsle die Perspektive: Zieh Dich gedanklich aus der Szenerie zurück. Stell Dir vor, es handelt sich um eine Filmszene, die Du vom Sofa aus betrachtest. Das hilft manchmal, die nötige Distanz aufzubauen, um den Kopf wieder etwas klarer zu bekommen.

 

  • Tief durchatmen: Kurz innehalten und bis 10 zählen kann gerade bei Wutausbrüchen helfen. Denn sonst wirft man mit Aussagen und auch Anschuldigungen um sich, die einem kurze Zeit später schon wieder leidtun können. Mit dieser Stopp-Methode schiebst Du der Wut erstmal einen Riegel vor.

 

  • Denk an die Konsequenzen: Führ Dir die Folgen Deines Handelns bewusst vor Augen. Was passiert, wenn Du die Handlung jetzt wirklich durchführst? Wenn Du diesen Wagen jetzt wirklich kurz vor der Kurve überholst. Wenn Du diese Bestellung jetzt kurz vor Monatsende wirklich aufgibst. Oft hilft es, die Folgen bewusst zu skizzieren, um die Impulsivität wieder im Zaum halten zu können.

Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditationen helfen auch, die Impulsivität auf einem niedrigeren Level zu halten. Progressive Muskelentspannung ist ebenfalls eine gute Option. Es gibt verschiedene Apps, teilweise auch gute kostenlose, die Du nutzen kannst. Geführte Meditationen oder Progressive Muskelentspannung findest Du auch auf Audible und Spotify.

Konsequenzen notieren hilft mit der Impulsivität der ADHS umzugehen

Notiere dir Konsequenzen für regelmäßige Situationen

Gibt es auch bei Dir Situationen, in denen Du immer wieder impulsiv reagierst? Dann kannst Du Dir für solche Gelegenheiten auch Karten oder Dokumente auf dem Smartphone anlegen, in denen Du Folgen dieser impulsiven Handlungen auflistest. 

Was könnte alles passieren, wenn Du zu viele spontane Käufe tätigst? 

Was könnte passieren, wenn Du zu schnell im Straßenverkehr unterwegs bist? 

Warum ist es nicht gut, wenn Du ständig nur Fast Food isst? 

 

Sieh Dir Diese Karten oder Dokumente ruhig täglich an. So erinnerst Du Dich jeden Tag daran, dass Dein Handeln Konsequenzen hat. Auf die eine oder andere Weise. Setze Dir dafür ruhig Erinnerungen ins Smartphone, die Dich dazu anhalten sollen, die Listen auch wirklich täglich zu lesen. 

 

Wichtig ist, dass Du die Folgen auch als das bezeichnest, was sie sind. Konsequenzen schön zu färben und umzubenennen ist weder hilfreich noch zielführend. Klar, kannst Du Dich damit an der Nase herumführen und denken, dass alles gar nicht so wild ist. Doch manchmal können die Folgen leider wirklich schlimm, wenn nicht sogar tödlich sein. Und das solltest Du im Blick haben. 

Nicht alles ist schlecht: Die Stärken der Impulsivität bei AD(H)S

So ernst man die Impulsivität nehmen sollte und auch lernen sollte, sie in den Griff zu bekommen: Wie vieles an der AD(H)S bringt sie auch Stärken mit sich, die es zu erkennen gilt. Viele Menschen mit AD(H)S haben durch die Impulsivität besondere Charakterstärken, die auf den ersten Blick völlig untergehen.

 

  • sie haben vielfältige Interessen und können so bei vielen Gesprächen interessante Inhalte beitragen
  • sie sind offen, direkt und tragen das Herz auf der Zunge
  • sie sind überaus hilfsbereit
  • ihre mitreißende Art kann andere begeistern und gerade bei Teamarbeit einen Vorteil darstellen
  • sie sind ein wahres Improvisationstalent und lassen sich von chaotischen Situationen im Berufsleben nicht aus der Ruhe bringen
  • sie sind sehr kreativ und können sich für viele Dinge regelrecht begeistern

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1982er Baujahr, Introvertierter Dickkopf mit Leidenschaft zum Schreiben und ADHS. Mit dem Kopf durch die Wand ist auch ein Weg! Texterin in einer Agentur für Kommunikation und Design. ++ Leise kann auch laut sein! >>> blogs: myhappychaos.de und wortundherz.de

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