Introvertiert – na und?

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Kennst du sie auch: die Menschen, die lieber 30 Nachrichten schreiben, anstatt anzurufen? Die erst Bedenkzeit brauchen, bevor sie sich zu Wort melden? Und die sich bei zu viel Trubel in eine stille Ecke zurückziehen? Willkommen in der Welt der Introvertierten!

Wir sind die leisen Kämpfer in einer lauten Welt. Wenn andere reden, hören wir zu. Und zwar sehr genau! Wir können uns sehr gut konzentrieren und achten auf viele Details, die anderen vielleicht unwichtig vorkommen. Dadurch mögen wir auf manche vielleicht kleinlich oder »spießig« wirken, in der Arbeitswelt können wir aber in vielen Bereichen damit punkten.

Was heißt »Introvertiert«?

Introvertiert zu sein heißt, mehr nach innen gewandt zu sein. Im Gegensatz dazu gibt es die Extrovertierten – die Menschen, die aus sich herausgehen, nach außen gewandt sind. Der größte Unterschied zwischen Introvertierten und Extrovertierten liegt in der Art, woraus wir unsere Energie beziehen. Während Extrovertierte aufblühen und erst unter Menschen richtig auf Touren kommen, brauchen wir Introvertierte eher die Ruhe, um unseren Akku wieder aufzuladen. Extrovertierte ziehen es oft vor, am Wochenende in Clubs zu feiern. Wir Introvertierten liegen lieber mit einem Buch auf der Couch oder streamen Serien oder treffen ausgewählte Freunde.

»Lange Leitung heute, hm?« Kennst du den Spruch auch? Als Introvertierte*r kannst du guten Gewissens sagen: »Klar, immer!« Denn das haben wir tatsächlich.

Reaktionsvermögen wie ’ne Schnecke

Oft kassieren wir »Intros« blöde Sprüche, weil wir so lange Reaktionszeiten haben, bis wir beispielsweise auf Fragen antworten. Dabei können wir noch nicht einmal etwas dafür. Wir haben mehr von dem Neurotransmitter Acetylcholin in unseren Gehirnen und das braucht deutlich länger, um Sinneseindrücke zu verarbeiten, als bei Extrovertierten, die weniger davon haben.

Du hast echt eine lange Leitung!

Meine Tochter würde jetzt sagen: »No shit, Sherlock!« Ja, haben wir. Und auch das ist wissenschaftlich belegt! Die Nervenbahnen introvertierter Personen sind deutlich länger als die extrovertierter Personen.  Dadurch brauchen wir für die Übertragung und Verarbeitung von Informationen tatsächlich länger.

Das bleibt natürlich nicht ganz ohne Konsequenz: Um uns wirklich intensiv mit einer Sache befassen zu können, brauchen wir mehr Zeit und Ruhe als extrovertierte Personen.  (Sprach die Texterin in einer Agentur, die in einem Durchgangsbüro sitzt und ihre Texte mit Lärmschutzkopfhörern auf den Ohren schreibt.) Wenn wir die nötige Ruhe allerdings bekommen, dann sind wir nicht nur konzentriert und kreativ – wir laufen zu Höchstleistungen auf!

»Du und dein Sicherheitsdrang!«

Jo, noch so ein »Introvertierten-Ding«. Unsere Amygdala reagiert empfindlicher auf Umweltreize. Wir schätzen Situationen schneller als riskant ein und bei dem Gedanken, unkalkulierbare Risiken einzugehen, geht uns »der Arsch auf Grundeis«!  Allerdings ist es nicht nur negativ: Wir reagieren wacher, können gut beobachten und haben ein enorm hohes Einfühlungsvermögen.

Bei extrovertierten Personen reagiert die Amygdala nicht so empfindlich. Dadurch können sie in schwierigen Situationen besser die Ruhe bewahren und kommen uns manchmal vor, wie die Ruhe in Person.

Du siehst also, es liegt gar nicht an dir, vielmehr an deinem Gehirn. Das heißt nicht, dass du nichts daran tun kannst, es kann dir aber helfen, manche Reaktionen und Handlungsweisen von uns Introvertierten besser zu verstehen.

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