Reden ist Silber, Schweigen ist introvertiert

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Reden ist Silber, Schweigen ist introvertiert

Kennst du solche Menschen auch? Diese Menschen, die in Teamgesprächen und Meetings einfach nur dasitzen, zuhören, aber so gut wie nie den Mund aufkriegen? Die es hassen, zu telefonieren, sich in Texten und Mail sicherer und treffender ausdrücken können? So eine Person hat gerade diese Zeilen geschrieben. Freut mich, dich kennenzulernen!

Kennst du solche Menschen auch? Diese Menschen, die in Teamgesprächen und Meetings einfach nur dasitzen, zuhören, aber so gut wie nie den Mund aufkriegen? Die es hassen, zu telefonieren, sich in Texten und Mail sicherer und treffender ausdrücken können? So eine Person hat gerade diese Zeilen geschrieben. Freut mich, dich kennenzulernen!

Warum bringen wir Introvertierten – oder »Intros«, wie wir gerne auch genannt werden – uns so selten in Meetings ein? Wir sind die geborenen Zuhörer. Wir sind unglaublich aufmerksam und nehmen auch Gespräche wahr, die neben unseren eigenen Gesprächen stattfinden – nicht immer ein Bonuspunkt, das kann ich dir sagen! Gerade, wenn Kollegen an einer Aufgabe verzweifeln und du eigentlich selbst zu tun hast, kannst du den Zwang zu helfen dennoch nicht abstellen. Das Drama habe ich im Reisebüro oft erlebt.

In Meetings allerdings haben wir oft Zweifel, ob unsere Beiträge auch wirklich relevant genug wären für das Thema. Darum schweigen wir lieber und beobachten aus dem Hintergrund. Denn das können wir besser als manch andere: beobachten und aufpassen.

Was bei uns übrigens eher kontraproduktiv wirkt: Konfrontation vor anderen. Eine Statusabfrage mal eben »on the go« treibt uns in der Regel den Puls in astronomische Höhen. Bevor wir auf Fragen antworten oder unsere Meinung kundtun, überlegen wir ganz genau, was wir antworten und wägen unsere Worte oft genau ab. Ansonsten kann es nämlich passieren, dass wir über unsere eigene Zunge stolpern, unsicher werden und nur noch Unsinn reden.

Menschen im Meeting, Besprechung

Smalltalk – nicht ganz so unser Ding

Ich habe in der Vergangenheit viel versucht, um mich anzupassen und »mehr aus mir herauszugehen« und besser mit anderen Menschen sprechen zu können. Schon in der Schulzeit haben Referate mir den Schweiß auf die Stirn getrieben, von den Abiturprüfungen ganz zu schweigen. Ich bin zu Rhetorikkursen gegangen, habe Fachbücher gewälzt – einzig zu blamablen Rollenspielen habe ich mich nie hinreißen lassen.

In den letzten Jahren habe ich es immerhin geschafft, mit Arbeitskollegen über alltägliche Dinge quatschen zu können. Auch, wenn ich immer noch eine ziemlich lange Anlaufzeit brauche, um mit anderen Leuten »warm« zu werden.

Vorbereitung ist alles

In unserer Agentur gibt es auch viele kleinere Meetings, in denen ich mich nicht hinter der großen Rund verstecken kann. Was ist damit? Das klappt eigentlich ganz gut, wenn ich mich vorher ausreichend auf das Meeting vorbereiten kann. Wenn ich weiß, worum es geht, mir schon ein wenig Hintergrundwissen aneignen kann und mir meine Aussagen und Beiträge zurechtlegen kann, dann bin ich weniger unsicher.

Auch vorherige Aufgabenverteilungen sind für uns Introvertierte Gold wert. Weil wir uns vorbereiten können und so mehr Sicherheit haben, dass unsere Beiträge wirklich Relevanz haben. Manchmal brauchen wir einen kleinen Schubs, um über unseren Schatten zu springen.

Allerdings braucht man mit uns schon mal einiges an Geduld. Wir brauchen Zeit, um uns anpassen zu können. Wie ich schon gesagt habe, wir brauchen Zeit, um mit den Menschen um uns herum warm werden zu können. Mit einer gewissen Anlaufzeit können wir wertvolle Beiträge im Büro leisten und uns durchaus einbringen. Eben auf unsere eigene, ruhige Art und Weise. Wir können in Rollen hineinwachsen.

Vorbereitung auf Meeting in Ruhe mit Kaffee

Das Telefon – nicht unser bester Freund

Früher habe ich gedacht, ich wäre mit meiner Abneigung gegen Telefonate allein, heute weiß ich, dass es den meisten Introvertierten so geht. Das macht es nicht unbedingt besser, aber erträglicher.

Wir Introvertierte sind konfliktscheue Wesen. Das kann ich, ohne mit der Wimper zu zucken, so unterschreiben. Ein Telefonat ist für uns häufig ein unkalkulierbares Risiko. Wir befürchten, einem eventuellen Konflikt nicht gewachsen zu sein und nicht schlagfertig genug zu antworten. Der schriftliche Weg gibt uns da eine gewisse Sicherheit. Wenn wir per E-Mail eine gepfefferte Antwort erhalten, haben wir genug Zeit und Puffer, um uns eine passende Antwort darauf zu überlegen.

Nichtsdestotrotz kommt man ganz ohne Telefonate nicht aus und so ungern wir dieses »Wunder der Technik« auch nutzen, wir können auch lernen damit zu leben. Die Angst oder Abneigung lässt sich abbauen. Übung macht eben doch den Meister – oder so ähnlich.

altes Telefon

In der Ruhe liegt die Produktivität

Eine weitere »Verschrobenheit« von uns Introvertierten – wobei ich das nicht unbedingt als eine Verschrobenheit betrachten würde – ist unser Bedürfnis nach Ruhe. Auch während der Arbeit. Wir können uns besser konzentrieren und fokussieren, wenn wir in ruhiger Umgebung arbeiten können. Das ist je nach Firma nicht immer möglich, aber wir sind immer froh, wenn wir zwischendurch die Möglichkeit haben, uns zurückziehen und in ruhigerer Atmosphäre unsere Arbeit erledigen zu können.

Wobei auch ich ganz ohne Leben um mich herum auch nicht lange arbeiten kann. Aktuell im Coronavirus-bedingten Home-Office merke ich, dass mir das manchmal chaotische Miteinander aus der Agentur fehlt. Ja, ich habe hier mehr Ruhe und keine Kollegen, die vor mir, neben mir und rings um mich herum unterhalten. Aber mir persönlich fällt langsam die Decke auf den Kopf. Es dürfte gerne wieder ein wenig Normalität einkehren.

About Post Author

Carina

Leidenschaftliche Texterin für Website-Texte. Single-Mom, kreativer Chaos-Mensch. Introvertierter Dickkopf. Schreiben ist mein Lebenselixier. Gleich neben der Musik, meinen Büchern und meiner Tochter.
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