Teenager-Probleme – nehmt eure Kinder ernst!

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Teenager-Probleme – nehmt eure Kinder ernst!

„Deine Probleme möchte ich noch mal haben!“ Hast du diesen Spruch in deiner Jugend auch zu genüge gehört? Ich weiß gar nicht mehr genau, WIE oft ich ihn von Erwachsenen gehört habe. Meine Probleme möchten sie haben. »Ja, dann nehmt sie doch! Könnt ihr alle haben. Ich schenk sie euch!!«, hätte ich dann manchmal am liebsten geschrien. Wenn das mal so einfach wäre.
Aber warum nehmen Erwachsene die Probleme der Teenager eigentlich nicht wirklich ernst?

Teenager-Probleme = kleine Probleme

In den Köpfen vieler Erwachsener sitzt die irrwitzige Annahme fest, dass junge Leute noch gar nicht so große Probleme haben können, wie Erwachsene. Darum werden ihre Probleme auch automatisch geringer eingestuft. Das ist eine Tatsache, die mir jedes Mal wieder sauer aufstößt. Zumal, ich bei meiner eigenen Tochter sehe, wie groß die Probleme für sie wirklich sein können und weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie scheiße es sich anfühlt, mit ihnen einfach nicht ernst genommen zu werden. Diese Erfahrung haben wir alle damals durchmachen müssen. Aber müssen wir sie auch wirklich an unsere Kinder weitergeben? Ich denke nicht!

Leider vergessen wir viel zu oft, wie frustriert wir damals selbst waren, wenn wir mal wieder nicht weiter wussten und die Erwachsenen um uns herum einfach nur abgewunken haben. Unsere Teenager-Probleme waren halt nicht wichtig genug. Sie waren keine Erwachsenen-Probleme, keine richtigen Probleme.

Foto von Jan Kopřiva von Pexels

Teenager haben andere Probleme

Ich denke, wir sind uns alle darüber einig, dass Teenager nicht dieselben Probleme haben, wie wir Erwachsenen. Sie müssen sich keine Gedanken über Kündigungen machen, Mietzahlungen, Rechnungen – klar sind die eine ganz andere Hausnummer. Das will auch niemand beschönigen. Dennoch sollten wir Teenager-Probleme nicht immer abwinken. Denn auch auf unsere Kinder wird der Druck immer größer – sei es durch uns Eltern oder durch die Politik, die ihre Ansprüche nach oben schraubt.

Auch untereinander wird der Ton immer rauer, sobald man nicht mehr ins Schema passt und von der Norm abweicht – egal, wie fein die Nuance auch ist. Individualisten brauchen ein dickes Fell. Und das ist gerade in der Pubertät Mangelware. Früher traute man uns Teenager-Probleme zu wie Liebeskummer, schlechte Noten und unreine Haut. Darüber können Teenager von heute nur müde lächeln. Sie machen sich Sorgen um ihre Karriere, über unsere Umwelt, unsere Politik, über Rassismus und die Feindlichkeit im Allgemeinen unter uns Menschen.

Sie werden in der Schule gemobbt, wenn sie anders sind, wenn sie zu gut Noten haben, wenn sie zu schlechte Noten haben, wenn sie zu bunt sind, wenn sie zu farblos sind. Für manche Teenager ist die Schulzeit der reinste Horror. Und das schließt die »typischen« Teenager-Probleme wie Liebeskummer und unreine Haut noch nicht einmal mit ein.

Teenager-Probleme können zu Depressionen führen

Jugendliche und Ihre Teenager-Probleme nicht ernstzunehmen kann weitreichende Konsequenzen haben. Nicht umsonst warnen viele Ärzte seit Jahren verstärkt davor, dass diese ach so harmlosen Teenager-Probleme zu Depressionen oder andere psychische Erkrankungen führen können. Sie sind zunehmend in der Pubertät anzutreffen, werden aber meist verkannt, weil Teenager »in dem Alter ja eh komisch sind!« Dabei zählen Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen. Sie haben sogar ihre eigenen ICD-Codes: F53, F39, F92, F33, F34.

Anders, als viele Erwachsene glauben, wächst sich eine Depression bei Jugendlichen nicht einfach aus. Sie dauert lange und wird sie nicht erkannt, kann sie sich festigen oder auch verschlimmern. Tatsächlich leiden mehr Jungen als Mädchen an Depressionen, doch die Krankheit tritt bei allen Geschlechtern auf.

Foto von Inzmam Khan von Pexels

Die Symptome reichen von mangelndem Selbstbewusstsein über Angstzuständen bis hin zu Essstörungen – viele ähneln denen der Pubertät, weshalb die Depression bei Jugendlichen häufig nicht erkannt wird.

Depression ist keine Frage der Willenskraft und es ist keine Schwäche. Es ist eine anerkannte psychische Erkrankung, die im schlimmsten Fall zu Selbstmord führen kann!

Das Schlimmste, das man seinen Kindern sagen kann, ist »Reiß‘ dich doch mal zusammen!« Denn, das klappt weder in der Pubertät noch in der Depression. Doch während Jugendliche in der Pubertät lernen, mit Hormon- und Gefühlsschwankungen umzugehen, kommen Depressive aus ihrem Stimmungstief oft nicht mehr aus eigener Kraft heraus. Sie fühlen sich wie versteinert und leer.

Wer bin ich eigentlich? Die große Sinnkrise der Teenager

Die Pubertät als solche ist schon ein schwieriges Thema für Jugendliche, das zu den eigentlichen Teenager-Problemen noch hinzukommt. Die eigene Identität finden, einen eigenen Stil entwickeln und von den Eltern unabhängiger werden ist eine Phase, die uns alle immens Schlaf gekostet hat und uns so manches Mal um den Verstand gebracht hat, wenn wir ehrlich sind.

Je nachdem, wohin die Identitätsreise führt, schließt sich direkt daran der nächste Kampf an: der, akzeptiert zu werden. Von Freunden, von Eltern, Lehrern und wer sonst noch mit uns zu tun hat. Gerade, wenn Jugendliche für sich entscheiden, dass sie von den klassischen – oder vielmehr altmodischen – Geschlechterrollen abweichen wollen, ist von Akzeptanz im eigenen Umfeld oft nicht viel zu merken. Und auch das – und das daraus resultierende Mobbing in der Schule – kann wiederum zu Depressionen führen.

Wie oft bekomme ich mit, dass Bekannte zu ihren Kindern sagen: »Ach, das ist bloß eine Phase!« oder »Du musst dich ablenken. Wenn du nichts zu tun hast, dann hilf mir im Haushalt.« Was aber alles keine Lösung bietet, denn es geht das Problem nicht an. Es wird nur verdrängt. Und Verdrängung hat noch nie wirklich genutzt. Darum ist es wichtig, dass wir als Eltern zuhören. Auch, wenn wir vielleicht die Teenager-Probleme als nicht so groß und allumfassend ansehen wie unsere eigenen. Dennoch sind sie für Teenager real und fühlen sich entsprechend schlimm an. Und das sollten wir nie vergessen.

Foto von Tirachard Kumtanom von Pexels

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Carina

Leidenschaftliche Texterin für Website-Texte. Single-Mom, kreativer Chaos-Mensch. Introvertierter Dickkopf. Schreiben ist mein Lebenselixier. Gleich neben der Musik, meinen Büchern und meiner Tochter.
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